Bitcoins 20%-Anstieg im April – von rund $66,000 auf ein monatliches Hoch von $79,000 – steht unter kritischer Beobachtung von On-Chain-Analysefirma CryptoQuant. Deren aktueller Wochenbericht kommt zu einem klaren Fazit: Die Bewegung war strukturell schwach. Der gesamte Anstieg wurde durch die Ausweitung der Perpetual-Futures-Nachfrage angetrieben, während die sogenannte Spot Apparent Demand während der gesamten Rally im negativen Bereich verharrte. Für Derivate-Trader hat diese Divergenz direkte Auswirkungen auf das Positionierungsrisiko.
Was Bitcoins April-Rally antrieb – und warum das für Perp-Trader entscheidend ist
CryptoQuants Metrik der „Apparent Demand" – die die rollierende 30-Tage-Veränderung der geschätzten On-Chain-Spot-Akkumulation misst – ist während des April-Kursanstiegs zu keinem Zeitpunkt in positives Terrain gewechselt. Das bedeutet: Die Nachfrage unter Bitcoin kam nicht von Käufern, die den Asset tatsächlich in Besitz genommen haben. Stattdessen wurde die Kursbewegung durch gehebelte Long-Positionierungen in Perpetual-Futures-Märkten angetrieben.
Diese Unterscheidung ist für Perp-Trader essenziell. Futures-getriebene Rallys erzeugen erhöhtes Open Interest und in der Regel positive Funding Rates, da Longs Shorts bezahlen, um ihre Exposure aufrechtzuerhalten. Ohne Spot-Käufer, die das Angebot absorbieren, fehlt dem Markt jedoch ein struktureller Boden. Wenn gehebelte Longs beginnen, ihre Positionen aufzulösen – sei es durch Gewinnmitnahmen, Liquidationen oder makrogetriebene Risk-off-Flows – gibt es keine natürliche Nachfrage, die den Drawdown abfedert. Das Ergebnis ist häufig eine scharfe, ungeordnete Korrektur, da kaskadierende Liquidationen den Verkaufsdruck verstärken.
Bitcoin hat bereits begonnen, vom April-Hoch zurückzusetzen. Zum Zeitpunkt des CryptoQuant-Berichts war der Kurs auf rund $76,400 gefallen – ein Rückgang von ungefähr 3.3% gegenüber dem $79,000-Hoch – was den frühen Phasen eines Futures-Unwinds entspricht.
Wie verhält sich das im Vergleich zum Bärenmarkt-Setup von 2022?
CryptoQuant-Analysten ziehen einen expliziten Vergleich zu den Bedingungen, die Bitcoins Kollaps 2022 vorausgingen. In jenem Zyklus weitete sich die Perpetual-Futures-Nachfrage aus, während die Spot Apparent Demand gleichzeitig schrumpfte – genau dieselbe Nachfragestruktur, die im April 2025 beobachtet wurde. Diese Konstellation ging damals einem anhaltenden mehrmonatigen Drawdown voraus, der Bitcoin letztlich rund 70% vom Zyklushoch kostete.
Der Vergleich ist keine Prognose einer gleichwertigen Magnitude, aber er etabliert einen Präzedenzfall dafür, wie sich diese spezifische Nachfragestruktur historisch aufgelöst hat. Rallys ohne Bestätigung durch Spot-Nachfrage haben sich als wenig dauerhaft erwiesen – Kursumkehrungen traten regelmäßig ein, sobald die spekulative Positionierung ihren Höhepunkt erreichte und zu deflationieren begann.
Zur vorsichtigen Einschätzung trägt zusätzlich bei: CryptoQuants Bull Score Index – ein zusammengesetzter On-Chain- und Marktgesundheitsindikator, der von 0 bis 100 skaliert – fiel im April von 50 auf 40. Ein Wert von 50 steht für Neutralität; der Rückgang auf 40 versetzt den Index zurück in Bearish-Terrain. Mitte des Monats hatte der Index kurzzeitig die 50 berührt, bevor er zurückfiel, als die spekulative Aktivität ihren Höhepunkt überschritt und nachließ.
Wichtige Levels und Marktstruktur im Blick behalten
Für aktive Perp-Trader lautet die strukturelle Frage: Kann die Spot-Nachfrage ins Positive drehen, bevor der Kurs die Widerstandszone bei $79,000 erneut testet? CryptoQuants Analyse ist eindeutig: Ohne eine substanzielle Verschiebung der Apparent Demand von negativ nach positiv würde jeder erneute Versuch, über $79,000 auszubrechen, das On-Chain-Fundament für einen nachhaltigen Breakout vermissen lassen. Ein gescheiterter Retest dieses Levels – insbesondere wenn er von einer Normalisierung der Funding Rate oder einer Kontraktion des Open Interest begleitet wird – würde die Bearish-Struktureinschätzung bestätigen.
Auf der Unterseite sollten Trader wichtige Support-Cluster unterhalb des aktuellen Kurses im Auge behalten. Ein anhaltendes Spot-Nachfragedefizit kombiniert mit erhöhter Long-Positionierung könnte den Kurs in Richtung der $70,000–$72,000-Range komprimieren, wo historisch betrachtet substanziellere On-Chain-Akkumulation entstanden ist. Liquidation-Heatmaps in dieser Zone verdienen besondere Aufmerksamkeit als potenzieller Magnet für den Kurs, sollte der Unwind an Fahrt gewinnen.
Erwähnenswert ist zudem: Prediction-Market-Teilnehmer auf Myriad weisen derzeit eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 70% dafür aus, dass Bitcoins nächste große Bewegung eine Rally in Richtung $84,000 sein wird – und nicht ein Rückgang in Richtung $55,000. Diese Stimmungsverzerrung könnte, wenn sie sich in den Perp-Funding-Rates widerspiegelt, selbst zu einem konträren Signal werden: Erhöhter Retail-Optimismus in ein strukturell schwaches Setup hat historisch oft mit Volatilitätsereignissen zusammengefallen, die gehebelte Longs herausspülen.